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22.05.2026 – Regionalverband Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland

GeDIG-Anhörung im BMG: Physio Deutschland sieht Verschiebung der eVO-Einführung mit gemischten Gefühlen

Am Montag hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zur Anhörung des Referentenentwurfs für das „Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen“ (GeDIG) nach Berlin eingeladen. Für Physio Deutschland nahm das für Digitalisierung zuständige Vorstandsmitglied Marc Zeller an der Veranstaltung teil.

Physio Deutschland begrüßt grundsätzlich die Zielsetzung des Referentenentwurfs, die Digitalisierung im Gesundheitswesen weiter voranzutreiben und die Versorgungsqualität nachhaltig zu verbessern.

Aus Sicht von Physio Deutschland ist es folgerichtig, die verpflichtende Einführung der eVO nicht vor einer flächendeckenden und funktionierenden TI-Anbindung im Heilmittelbereich umzusetzen. Die bisherige gesetzliche Regelung hätte dazu geführt, dass Ärztinnen und Ärzte Heilmittelverordnungen bereits ab Januar 2027 elektronisch ausstellen müssten, Physiotherapiepraxen jedoch erst Monate später verpflichtend an die Telematikinfrastruktur angebunden wären. Das hätte zwangsläufig zu parallelen analogen und digitalen Prozessen sowie zusätzlicher Bürokratie im Praxisalltag geführt.

Gleichzeitig hält Physio Deutschland eine Verschiebung der TI-Verpflichtung und damit faktisch auch der eVO-Einführung auf den 1. Juni 2029 für deutlich zu spät. Die elektronische Verordnung ist aus Sicht des Verbandes ein zentraler Baustein für eine moderne, effiziente und patientenzentrierte Versorgung und sollte deshalb frühestmöglich umgesetzt werden – allerdings in einer technisch und organisatorisch sinnvollen Reihenfolge.

In seiner Stellungnahme zum Referentenentwurf betont Physio Deutschland darüber hinaus die Chancen einer modernen digitalen Infrastruktur für die Physiotherapie. Die Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte (ePA), eine stärkere Interoperabilität sowie der Ausbau der Telematikinfrastruktur könnten die sektorenübergreifende Versorgung nachhaltig verbessern. Der strukturierte Zugriff auf Diagnosen, Vorbefunde und Behandlungsverläufe würde Therapieentscheidungen gezielt unterstützen und Behandlungsprozesse effizienter gestalten.

Damit die Digitalisierung im Heilmittelbereich erfolgreich umgesetzt werden kann, fordert Physio Deutschland praxistaugliche Lösungen und eine verlässliche Refinanzierung der entstehenden Investitions- und Betriebskosten. Gerade angesichts des Fachkräftemangels müsse Digitalisierung dazu beitragen, Arbeitsprozesse zu vereinfachen und mehr Zeit für die direkte Patientenversorgung zu schaffen – nicht zusätzliche bürokratische Belastungen erzeugen.

Zudem spricht sich der Verband für eine stabile und leistungsfähige Telematikinfrastruktur sowie für eine frühzeitige Einbindung der Physiotherapie bei der Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte aus. Nur wenn physiotherapeutische Befunde und Verlaufsdaten strukturiert berücksichtigt werden, könne die ePA ihr Potenzial für die Versorgung voll entfalten.

Insgesamt sieht Physio Deutschland im Referentenentwurf eine wichtige Grundlage für die weitere Digitalisierung des Gesundheitswesens. Entscheidend werde jedoch sein, die Maßnahmen praxisnah, wirtschaftlich tragfähig und gemeinsam mit den Leistungserbringern umzusetzen.