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22.06.2026 – Regionalverband Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland

Forschungslücken schließen: Physio Deutschland fordert gendersensible Perspektiven bei Rückenschmerzen

Rückenschmerzen betreffen viele – aber nicht alle gleich. Eine neue Forschungsagenda will geschlechtsspezifische Unterschiede systematisch in den Blick nehmen. Physio Deutschland unterstützt das Vorhaben und ruft zur aktiven Mitgestaltung auf.

Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten Gründen für eine physiotherapeutische Behandlung. Gleichzeitig zeigt sich immer deutlicher: Ursachen, Schmerzverläufe und Therapieerfolge können sich je nach Geschlecht unterscheiden. Dennoch sind diese Unterschiede bislang nur unzureichend in Forschung und Versorgung berücksichtigt. Genau hier setzt die Forschungsagenda „GRAPe Gender“ an – und stellt aus Sicht von Physio Deutschland einen wichtigen Meilenstein für die Weiterentwicklung der Profession dar. Bereits 2025 wurde in einer ersten bundesweiten Umfrage die Grundlage für die Forschungsagenda gelegt. Damals konnten Betroffene, Angehörige sowie Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten ihre Erfahrungen und offenen Fragen einbringen (hier geht es zur alten Meldung). Die zahlreichen Rückmeldungen wurden gebündelt, wissenschaftlich eingeordnet und zu zentralen Forschungsunsicherheiten zusammengeführt.

   

Von der Bestandsaufnahme zur Priorisierung

Im nächsten Schritt wurden diese Themen mit dem aktuellen Stand der Forschung abgeglichen und auf die wichtigsten bislang unbeantworteten Fragestellungen reduziert. Daraus sind 23 indikative Forschungsfragen entstanden, die nun im Mittelpunkt der aktuellen zweiten Umfrage stehen: Sie sollen gemeinsam priorisiert und in eine klare Forschungsagenda überführt werden. Für Physio Deutschland liegt genau in dieser aufeinander aufbauenden Beteiligung ein besonderer Wert. Denn sie verbindet wissenschaftliche Perspektiven mit praktischen Erfahrungen und sorgt dafür, dass zukünftige Forschung nah an den Bedarfen der Versorgung ausgerichtet wird. Ziel ist es, evidenzbasierte Grundlagen für eine Physiotherapie zu schaffen, die geschlechterspezifische Unterschiede systematisch berücksichtigt und damit zu besseren Behandlungsergebnissen beiträgt. „Eine gendersensible Betrachtung von Rückenschmerzen ist längst überfällig. Nur wenn wir Unterschiede in Lebensrealitäten, Schmerzverarbeitung und Inanspruchnahme von Therapie verstehen, können wir Versorgung wirklich bedarfsgerecht gestalten“, betont Dr. Minettchen Herchenröder, Generalsekretärin von Physio Deutschland. „Die Forschungsagenda ist eine große Chance, die Perspektiven unserer Profession sichtbar zu machen und gezielt weiterzuentwickeln.“

Aktuell sind erneut die Erfahrungen und Einschätzungen aus der Praxis gefragt: In der zweiten Umfrage werden die verbliebenen Forschungsfragen bewertet und gewichtet. Physio Deutschland ruft daher seine Mitglieder sowie Patientinnen und Patienten ausdrücklich dazu auf, sich an dieser Priorisierung zu beteiligen. Die Teilnahme ist unkompliziert, dauert nur wenige Minuten und ermöglicht es, die zukünftige Ausrichtung der physiotherapeutischen Forschung aktiv mitzugestalten.

Hier geht es direkt zur Umfrage. 

   

Vielfalt als Schlüssel für bessere Versorgung

Gerade vor dem Hintergrund steigender Versorgungsbedarfe sieht Physio Deutschland in der Initiative einen wichtigen Impuls: Eine moderne Physiotherapie muss Vielfalt berücksichtigen – auch in Bezug auf Geschlecht. Die Ergebnisse der Forschungsagenda können dazu beitragen, Versorgungslücken zu schließen und die Qualität der Behandlung nachhaltig zu verbessern. Der Verband wird den Prozess weiterhin begleiten und sich dafür einsetzen, dass die gewonnenen Erkenntnisse konsequent in Praxis, Ausbildung und gesundheitspolitische Diskussionen einfließen.

Weitere Informationen zur Forschungspartnerschaft findet ihr unter:

https://www.forschungspartnerschaft.de/