Evaluation Blankoverordnung: Studienergebnisse belegen Qualität und stärken Physiotherapie

Im Rahmen einer Studie haben die Universität zu Lübeck in Kooperation mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg im Zeitraum von Juli 2025 bis Mai 2026 die Blankoverordnung Schulter und ihre Auswirkung auf die Patient*innenversorgung analysiert.
Nun liegen erstmals Ergebnisse zur Versorgungsqualität durch die Blankoverordnung vor. Sie zeigen, dass sich Patientinnen und Patienten unter Bedingungen der Blankoverordnung signifikant verbessern:
- funktionelle Fähigkeiten, subjektive Schulterfunktion und Lebensqualität steigen messbar
- Schmerzen und Bewegungsangst nehmen deutlich ab
- die Zufriedenheit ist sowohl bei Patientinnen und Patienten als auch bei Therapeutinnen und Therapeuten hoch
- unerwünschte Ereignisse treten nur sehr selten auf
Einblick in die Ergebnisse
Die Datenerhebung umfasste soziodemografische Angaben, Versorgungsdaten sowie validierte klinische Instrumente wie den Shoulder Pain and Disability Index (SPADI), die Single Assessment Numeric Evaluation (SANE), den EQ‑5D zur Lebensqualität, die Global Perceived Change Skala und die Tampa Scale zur Bewegungsangst. Die Befragung erfolgte jeweils vor Beginn (PRÄ) und nach Abschluss (POST) der Behandlung.
Die Versorgung zeigt praxisnahe Kennzahlen: Die Wartezeit bis zum Ersttermin betrug im Mittel knapp zwei Wochen, die Behandlung dauerte durchschnittlich knapp zwölf Wochen mit rund 16 Therapieeinheiten. Unterbrechungen traten bei etwa einem Viertel der Behandlungen auf, meist urlaubsbedingt oder therapeutisch indiziert. Häufige vorrangige Heilmittel waren Manuelle Therapie, Krankengymnastik und Gerätetraining, ergänzt durch physikalische Maßnahmen.
Die klinischen Ergebnisse zeigen deutliche Verbesserungen. Der SPADI-Gesamtscore reduziert sich signifikant von durchschnittlich 62,9 auf 35,6 Punkte, was einer großen Effektstärke und einer klinischen Relevanz entspricht. Auch Schmerz, funktionelle Einschränkungen, subjektive Schulterfunktion, Lebensqualität und Bewegungsangst verbessern sich signifikant. Mehr als die Hälfte der Behandlungen endete, weil das Therapieziel erreicht wurde.
„An dieser Stelle bedanke ich mich im Namen von Physio Deutschland nochmals sehr herzlich bei allen Kolleginnen und Kollegen, die selbst an der Befragung teilgenommen haben und auch bei ihren Patient*innen für die Teilnahme geworben haben – ohne Euch hätte die Studie nicht erste Informationen zur Versorgungssituation mit der Blankoverordnung aufzeigen können“, betont Alexander Stirner, stellvertretender Vorsitzender von Physio Deutschland die Wichtigkeit der Beteiligung von Berufsangehörigen an der Studie.
Mehr fachliche Verantwortung erfolgreich übernommen
Durch die Blankoverordnung haben wir Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten eine erweiterte Rolle in der Versorgung, in dem eine eigenständige Diagnostik, die klinische Entscheidungsfindung (Clinical Reasoning) sowie die Planung und Steuerung der Therapie unter kontinuierliche Erfolgskontrolle uns als Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten obliegt und nicht mehr dem Arzt beziehungsweise der Ärztin.
Im Abschlussbericht der Studie wird deutlich: Physiotherapeut*innen nehmen die Verantwortung für mehr Therapiefreiheit kompetent und sicher wahr. Kurz gesagt: Mehr physiotherapeutische Freiheit führt zu guten Ergebnissen.
„Wir wissen es längst: Physiotherapie ist mehr als die Ausführung ärztlicher Verordnungen. Sie ist ein eigenständiger, evidenzbasierter und hochwirksamer Bestandteil moderner Gesundheitsversorgung“, untermauert Alexander Stirner das Potenzial der Physiotherapie.
Denn, mit dem Abschluss der Studie ist es nun offiziell: Die vom Gesetzgeber als Regelversorgung eingeführte Blankoverordnung verbindet mehr Gestaltungsfreiheit von Physiotherapeut*innen in der Therapie mit nachweislich guten Ergebnissen für Patientinnen und Patienten – und setzt damit ein Signal für mehr Qualität in der physiotherapeutischen Versorgung.
„Der klinische Nutzen der Blankoverordnung und die beobachteten Verbesserungen liefern eine wichtige empirische Grundlage für die laufende gesundheitsökonomische Debatte im Gesundheitssystem“, erklärt Alexander Stirner.