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08.02.2019

Diagnose Gonarthrose: Wie erhält man einen evidenzbasierten Befund?

Im zweiten Artikel unserer Gonarthrose-Serie dreht sich alles um das Thema Assessments im Rahmen der Befunderhebung. Assessment bedeutet Bewertung, Beurteilung, Einschätzung.

Die S2k-Leitlinie „Gonarthrose“, die in Zusammenarbeit mit Eckhardt Böhle von PHYSIO-DEUTSCHLAND entstanden ist, empfiehlt bei Gonarthrose folgende Assessments:

  • Oxford Knee Score
  • Knee Society Score
  • KOOS (Knee injury and Osteoarthritis Outcome Score)
  • WOMAC (Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index)

Nachfolgend  möchten wir Ihnen die genannten Assessments mit ihren Stärken und Schwächen für die Anwendung in der Praxis genauer vorstellen.

Oxford Knee Score:
Der Oxford Knee Score ist ein Fragebogen für Patienten nach Einsatz einer Knie-Endoprothese und besteht aus 12 Fragen zu Schmerz und physischen Funktionen. Jede Frage wird mit Punkten zwischen 0 und 4 bewertet. Dabei steht 0 für den höchsten Grad der Einschränkung, 4 für den geringsten. Aufgrund seiner Kürze lässt sich der Oxford Knee Score sehr gut in der Praxis einsetzen und eigenständig durch den Patienten ausfüllen. Allerdings handelt es sich um ein lizensiertes Assessment, für das kommerzielle Nutzer Lizenzgebühren entrichten müssen.
https://innovation.ox.ac.uk/outcome-measures/oxford-knee-score-oks/

Knee Society Score:
Beim Knee Society Score handelt es sich ebenfalls um einen Fragebogen, der insbesondere die Erwartungshaltung der Patienten (z.B. Zufriedenheit mit der Behandlung) nach Einsatz einer Knie-Endoprothese berücksichtigt. Der erste Teil der Fragen dient der objektiven Beurteilung und soll vom behandelnden Arzt ausgefüllt werden. Aus diesem Grund und durch seinen großen Umfang eignet er sich nur bedingt zur Verwendung in der Praxis. Da er jedoch eine gute Aussagekraft besitzt, kann er für Studienzwecke eingesetzt werden. Zur Verwendung ist eine Lizenzierung bei der Knee Society erforderlich.
http://kneesociety.org/the-knee-society-score/

KOOS (Knee injury and Osteoarthritis Outcome Score):
Der KOOS ist ein sehr ausführlicher Fragebogen für Patienten insbesondere nach Sportverletzungen, wie einem Meniskus- oder Kreuzbandriss. Er prüft die möglichen Einschränkungen der Patienten in Bezug auf Schmerz, Symptome, Tätigkeiten des Alltags, Funktionsfähigkeit in Sport und Freizeit und Lebensqualität. Jeder Einzelbereich wird bei der Bepunktung unabhängig berechnet und ausgewertet, sodass sich einzelne Veränderungen und ein Langzeitverlauf sehr gut darstellen lassen. Er ist ohne Lizenzgebühren nutzbar und steht in 30 Sprachen zur Verfügung. Aufgrund seiner Ausführlichkeit benötigen die Patienten jedoch rund 8 Minuten zur Beantwortung der Fragen.
http://www.koos.nu/

WOMAC (Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index):
Mit Hilfe des WOMAC lässt sich nicht nur Arthritis des Hüft- oder Kniegelenks beurteilen, er kann in der klinischen Praxis auch bei Kreuzschmerz oder Fibromyalgie verwendet werden. Die Fragen zu den Unterpunkten Schmerz, Steifigkeit und physische Funktion können entweder durch die Punkte 0 bis 4 oder auf einer visuellen Skala angegeben werden. Dadurch eignet er sich auch für Patienten mit sprachlichen Einschränkungen. Er ist weit verbreitet und wird insbesondere bei klinischen Studien häufig genutzt, allerdings fallen für die Nutzung ebenfalls Lizenzgebühren an.
http://www.womac.org/womac/index.htm

Unser Fazit:
Die Auswahl eines Assessments sollte für das Krankheitsbild des Patienten geeignet sein, ob nach Endoprothese oder bei Arthritis.
Zur Dokumentation des Behandlungsverlaufes bei Patienten mit Gonarthrose kann der KOOS in der Physiotherapiepraxis am besten verwendet werden. Er ist kostenlos, auf Deutsch verfügbar und kann vom Patienten eigenständig ausgefüllt werden. Da einzelne Dimensionen der Einschränkungen berechnet werden, eignet er sich sehr gut, um Behandlungserfolge im Detail zu dokumentieren.